Spezialprogramm für Pädagogen Neu eingeführt wird ein spezielles Therapieprogramm für Pädagogen. Bei Pädagogen handelt es sich um eine gesundheitlich besonders gefährdete Berufsgruppe. Sie steht unter kritischem öffentlichen Erwartungsdruck (s. DER SPIEGEL, Nr. 46/10.11.03). Eine hohe Frühpensionierungsrate ist Hinweis auf eine nicht nur individuelle, sondern auch hohe gesellschaftliche Relevanz des Problems. Am Beispiel der Pädagogen zeigt sich ein Gesichtspunkt besonders deutlich, welcher in der Psychosomatik und Psychotherapie von grundsätzlicher Bedeutung ist: Die gesundheitlichen Probleme von Pädagogen können nicht allein individualisiert betrachtet werden. Die langjährige Erfahrung aus Psychotherapien von Pädagogen (in den westlichen Bundesländern) zeigt vielmehr, dass sie in ihrer beruflichen Situation auch Opfer struktureller Verwerfungen im Schulsystem geworden sind. Man wird dem individuellen gesundheitlichen Problem therapeutisch nicht gerecht, wenn nicht zunächst einmal Verständnis für die problematischen Verhältnisse an den Schulen aufgebracht wird. Die Möglichkeiten zur Selbsthilfe sind u. a. aufgrund des Beamtenstatus gering. Entscheidendes Argument für eine therapeutische Zusammenfassung von Pädagogen ist der hohe Diskretionsbedarf eines in der öffentlichen Kritik stehenden Berufes. Der Pädagoge soll als Patient zunächst freigehalten werden von einer möglichen Fortsetzung der öffentlichen Kritik durch Therapie-Gruppen-Teilnehmer. Sie tun sich – ähnlich wie auch Angehörige anderer „archetypischer“ Berufe, z. B. Ärzte, Polizisten, Geistliche – schwer, sich über ihre Probleme zu äußern, wenn sie den gesellschaftlichen Rollenerwartungen nicht entsprechen und merken, dass ihnen das „Versagen“ ausschließlich persönlich angelastet wird. Eine leicht modifizierte Form der teilstationären Behandlung soll als „Abendklinik“ jenen Patienten die Teilnahme an einer ähnlich intensiven Behandlung ermöglichen, die aus familiären oder beruflichen Gründen nicht am tagesklinischen Programm teilnehmen können. Hier denken wir auch an Mütter, die tagsüber nicht abkömmlich sind.
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